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"JES! Jung. Eigenständig. Stark." Rheinland-Pfalz setzt jugendpolitische Strategie um. Ein Interview mit Lucia Stanko

L. Stanko

Die Landesregierung hat mit der Ende 2014 beschlossenen jugendpolitischen Strategie „JES! Jung.Eigenständig.Stark.“ ein deutliches Zeichen gesetzt:  Jugendpolitik ist keine Rand- oder Nischenpolitik - vielmehr gilt es, eine eigenständige, querschnittsorientierte Politik für und mit jungen Menschen umzusetzen. Lucia Stanko, Leiterin des Referates für Jugendpolitik, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Partizipation im Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz, skizziert in unserem Interview die Schritte, die es weiterhin in Sachen Eigenständiger Jugendpolitik zu gehen gilt.

Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren die Jugendstrategie „JES! Jung. Eigenständig. Stark.“ entwickelt und umgesetzt. Was will die Jugendstrategie JES! im Land bewegen?

Die Landesregierung hat mit der Ende 2014 beschlossenen jugendpolitischen Strategie „JES! Jung.Eigenständig.Stark.“ ein deutliches Zeichen gesetzt:  Jugendpolitik ist keine Rand- oder Nischenpolitik - vielmehr gilt es, eine eigenständige, querschnittsorientierte Politik für und mit jungen Menschen umzusetzen.

Wir wollen, dass Jugendliche und junge Erwachsene neu und verstärkt eine gesellschaftspolitische Aufmerksamkeit erhalten. Dabei ist klar: Es gibt nicht die Jugend. Allein in der Altersklasse der 13- bis 18-Jährigen leben in Rheinland-Pfalz rund 247.000 Jugendliche und junge Erwachsende und sie sind so vielfältig, wie es unsere gesamte Gesellschaft ist. Das gilt auch für ihre Interessen, Anliegen und Bedarfe. Es stellt uns vor besondere Herausforderungen.

Wir wollen dazu beitragen, dass sich alle jungen Menschen zu starken, selbstbewussten, eigen- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten entwickeln können. Dafür ist politikfeldübergreifendes Handeln eine Grundvoraussetzung. Eine weitere ist, mit den jungen Menschen zu reden und sie stets einzubeziehen.

Mit unserer jugendpolitischen Strategie JES! Jung. Eigenständig.Stark. verfolgen wir drei Leitziele:

  • Erstens die Befähigung und Unterstützung aller jungen Menschen für eine faire, gleichberechtigte Teilhabe an den sozialen, ökonomischen und kulturellen Ressourcen der Gesellschaft.
  • Zweitens die Sicherung und den Ausbau autonomer Gestaltungsräume.
  • Und drittens die Weiterentwicklung von nachhaltigen Mitbestimmungsmöglichkeiten junger Menschen.

Die Leitziele sind das programmatische Fundament dafür, landesweit die Interessen, Anliegen und Bedarfe junger Menschen stärker in den Mittelpunkt zu rücken. 

Im Doppelhaushalt 2017/2018 hat die Landesregierung für die Jugendförderung zusätzliche Mittel in Höhe von einer Million Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt. Damit hat Rheinland-Pfalz die eigenständige Jugendpolitik respektive die jugendpolitische Strategie JES! fiskalisch untermauert, zugleich können wir damit wichtige Herausforderungen aus dem 2. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz umsetzen.

Vier neue Förderprogramme können im Rahmen der Umsetzung der Jugendstrategie JES! realisiert werden. Wir wollen damit zum einen die Jugendarbeit im ländlichen Raum durch den Ausbau der mobilen Angebote stärken. Außerdem wollen wir jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen über die „Aufsuchende Jugendsozialarbeit“ Teilhabechancen eröffnen. Ferner wollen wir eine eigenständige regionale bzw. kommunale Jugendpolitik durch soziale Infrastruktur für junge Menschen vorantreiben und schließlich die nachhaltige Beteiligung junger Menschen fördern.

Mehr zu den vier Förderprogrammen finden Interessierte auch unter www.eigenstaendige-jugendpolitik.rlp.de

Eigenständige Jugendpolitik will ressortübergreifend wirken. Welche Fachbereiche bringen sich in RLP besonders ein?

Wir sind mit allen Ressorts im Gespräch. Durch den Ministerratsbeschluss zur Jugendstrategie JES! wurden die zuvor genannten Leitziele zur jugendpolitischen Handlungsmaxime aller Ressorts gemacht.

Die Eigenständige Jugendpolitik ist nicht nur in Rheinland-Pfalz ein Thema, auch andere Bundesländer haben ihre Jugendpolitik in den letzten Jahren neu ausgerichtet und gestärkt. Wie erklären sie sich das?

Es war an der Zeit, die Jugendpolitik, wieder stärker sichtbar zu machen, denn die Jugendphase ist prägend für das Verhältnis junger Menschen zu Gesellschaft und Politik. Sie ist mitentscheidend dafür, dass junge Menschen Perspektiven für ein sinnerfülltes Leben entwickeln können. Dies haben der 2. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz und in diesem Jahr der 15. Kinder- und Jugendbericht des Bundes noch einmal verdeutlicht. Jugendliche und junge Erwachsene müssen deshalb umfassend unterstützt, befähigt und gefördert werden, damit sie die Herausforderungen der Lebensphase Jugend im Sinne der Selbstpositionierung, Verselbständigung und Qualifizierung erfolgreich meistern können.

Angesichts des demographischen Wandels besteht die Gefahr, dass Jugendliche und junge Erwachsene es schwerer haben, ihre Interessen in Gesellschaft und Politik einzubringen. Es hat den Anschein, dass ihre Themen als weniger bedeutsam erscheinen. Die neu gewonnene Aufmerksamkeit für die Themen und Bedarfe junger Menschen ist daher auszubauen. Es bedarf aller notwendigen Anstrengungen, um bessere Rahmenbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie für ihre Interessenvertretungen zu schaffen.

Die Diskussionen um die Eigenständige Jugendpolitik finden auf allen Ebenen, von den Kommunen bis Europa, statt. Welche Aspekte bringen insbesondere die Länder in die Diskussion ein, und was können die anderen Ebenen sich von den Bundesländern abschauen?

Jede Ebene und jedes Bundesland hat ihre bzw. seine eigenen Schwerpunktsetzungen und eine eigene Herangehensweise. Und dabei gilt: Alles was für und mit der Jugend erreicht werden kann, was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen stärkt, zumal auch diejenigen, die aus sozialschwachen Familien kommen, ist wertvoll.  

In Rheinland-Pfalz haben wir mit der Jugendstrategie JES!, dem 2. Kinder- und Jugendbericht Rheinland-Pfalz bzw. den weiteren Berichten, die kommen werden  - der 3. Bericht ist in Erarbeitung - sowie mit dem bundesweit einmaligen Praxisentwicklungsprojekt zur Profilierung der Jugendarbeit (kurz: PEP) eine Gesamtstrategie. In diese Strategie binden wir sowohl die landespolitische Ebene, wie etwa den Landesjugendhilfeausschuss, als auch die Kommunen, die freien Träger der Jugendhilfe sowie Vereine und Verbände in die Befassung und Umsetzung einer eigenständigen Jugendpolitik im Sinne der jugendpolitischen Strategie JES! ein. Ende November 2017 startete das neue Programm „JES! Eigenständige Jugendpolitik – mit PEP vor Ort“ bei dem die Landesregierung Kommunen und ihre jeweiligen Kooperationspartner_innen, wie Jugendringe, dabei unterstützt, eine kommunale Jugendstrategie zu entwickeln oder auch weiter zu entwickeln. Das Programm läuft zwei Jahre lang, bis November 2019, und wir sind sehr gespannt, wie sich die unterschiedlichen jugendpolitischen Prozesse im Land weiterentwickeln und welche Erkenntnisse wir auf Landesebene gewinnen können, um im Sinne einer guten Kooperation von Land, Kommunen und freien Trägern die Jugendpolitik für und mit jungen Menschen stets weiter voran zu bringen.

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