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(29.06.2021) Das European Youth Forum veröffentlicht den Bericht "Beyond Lockdown: the 'pandemic scar' on young people" zum Einfluss der Pandemie auf die soziale, ökonomische und psychische Gesundheit junger Menschen in Europa.

Vier Frauen sitzen auf einer hölzernen Treppe, es sind nur die Beine und Füße zu sehen. Vier Frauen sitzen auf einer hölzernen Treppe, es sind nur die Beine und Füße zu sehen.
Foto: G. marcel via unsplash.com

Mit dem Bericht "Beyond Lockdown: the 'pandemic scar' on young people" will das European Youth Forum über die unmittelbaren Auswirkungen der Pandemie hinausgehen und die jugendspezifischen mittel- und langfristigen Folgen von Covid-19 in Europa analysieren.

Es nimmt dafür folgende Themenbereiche in den Blick: Arbeit und Einkommen; Bildung und Lernen; und psychische Gesundheit und Wohlbefinden.

Die Untersuchung basiert auf den Ergebnissen einer Umfrage unter 4.500 jungen Menschen in ganz Europa sowie auf Fokusgruppen, um detailliertere Rückmeldungen von jungen Menschen über ihre Erfahrungen zu erhalten. Der Bericht wurde ebenfalls dazu genutzt Best Practices zu identifizieren sowie Lücken in der institutionellen Reaktion zu untersuchen und Schlüsselempfehlungen für den weiteren Weg zu identifizieren.

Die wichtigsten Ergebnisse zu Beschäftigung, Bildung und psychischer Gesundheit

Die Ergebnisse zeigen, dass es bereits erkennbare Auswirkungen auf die soziale und wirtschaftliche Situation junger Menschen und ihr allgemeines Wohlbefinden gibt. Darüber hinaus spielt auch die Intersektionalität eine entscheidende Rolle, da junge Menschen aus marginalisierten Verhältnissen in fast allen Bereichen stärker betroffen sind. Wenn diese Auswirkungen nicht angegangen werden, besteht die Gefahr, dass sie eine lebenslange "pandemische Narbe" bei jungen Menschen hinterlassen.

Arbeit und Einkommen: Junge Menschen haben infolge von Arbeitslosigkeit und Arbeitszeitverkürzung erhebliche Verluste an Arbeit und Einkommen hinnehmen müssen, wobei marginalisierte Jugendliche doppelt so häufig von Arbeitsplatzverlusten betroffen sind. Trotzdem waren weniger als 1% der nationalen wirtschaftspolitischen COVID-19-Maßnahmen in der EU und in Großbritannien auf junge Menschen ausgerichtet.

Bildung und Lernen: Zwei von drei Schüler*innen und Student*innen glauben, dass sie als Folge von Schul- und Universitätsschließungen weniger lernen. Bislang war die Sicherstellung der Qualität der Bildung keine Priorität in den politischen Maßnahmen, und nur sehr wenige Initiativen konzentrierten sich auf die langfristigen Auswirkungen auf die Bildung.

Psychische Gesundheit und Wohlbefinden: Nahezu zwei von drei jungen Menschen sind infolge der Pandemie von Angstzuständen oder Depressionen betroffen, wobei bereits bestehende Ungleichheiten dazu führen, dass marginalisierte Jugendliche unverhältnismäßig stark davon betroffen sind. Dennoch konnten keine substanziellen Reaktionen der nationalen politischen Entscheidungsträger auf die Unterstützung der psychischen Gesundheit junger Menschen während und nach der Pandemie festgestellt werden.

Mögliche Langzeitfolgen

Der Verlust von Arbeit und Einkommen, das Fehlen in der Schule und in der Ausbildung sind unmittelbare Auswirkungen von COVID-19, aber sie können auch längerfristige Folgen haben. Dazu gehören niedrigere Bildungsabschlüsse, ein höheres Risiko für Langzeitarbeitslosigkeit, geringere Löhne im Laufe des Lebens und soziale Ausgrenzung. Perioden schlechter psychischer Gesundheit und schlechten Wohlbefindens während dieser Pandemie können dauerhafte Auswirkungen auf junge Menschen haben, die weit über die Zeit der Lockdowns hinausgehen. Es ist wichtig, dass alle diese Probleme miteinander verbunden sind und die Auswirkungen jedes einzelnen verstärken können, zum Beispiel kann eine schlechte psychische Gesundheit die Karrierechancen und die Ausbildung eines jungen Menschen beeinträchtigen.

Ein nachhaltiger und jugendgerechter Aufschwung ist jetzt entscheidend für eine Gruppe, die sich noch immer nicht vollständig von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erholt hatte. Deshalb empfiehlt das European Youth Forum politischen Entscheidungsträgern:

  • Wiederaufbaupläne zu entwickeln, die die langfristigen Auswirkungen der Pandemie vollständig berücksichtigen und eine starke intersektionale Dimension beinhalten, um junge Menschen in ihrer ganzen Vielfalt zu unterstützen;
  • Investition in die Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen für junge Menschen und in Initiativen, die sich an die am stärksten Ausgegrenzten wenden;
  • Verbesserung der Qualität und Zugänglichkeit von Fernunterricht und digitaler Bildung und Konzentration auf den Übergang von der Schule ins Berufsleben, insbesondere für diejenigen, die in den kommenden Jahren die Schule verlassen;
  • Verbesserung des Zugangs zu Unterstützungsmaßnahmen für psychische Gesundheit und Wohlbefinden für junge Menschen, auch durch die Anerkennung des Zusammenhangs zwischen sozioökonomischen Faktoren und psychischer Gesundheit.
  • Regierungen und Institutionen müssen jetzt handeln, um die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise zu bekämpfen und die Rechte junger Menschen zu schützen.

Die Publikation  "Beyond Lockdown: the 'pandemic scar' on young people" steht auf der Internetseite des European Youth Forum auf englischer Sprache zum Download bereit.

Quellen: Fachkräfteportal der Jugendhilfe / European Youth Forum