Als erste Landesmedienanstalt in Deutschland hat die mabb im Jahr 2023 einen Jugendrat ins Leben gerufen und damit eine institutionalisierte Beteiligungsmöglichkeit geschaffen. Die mabb-Jugendrät*innen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren möchten mit ihrer Stimme zur Medienvielfalt beitragen. Dazu geben sie der mabb konkrete Ideen und Vorschläge in Form von Handlungsempfehlungen an die Direktorin und ihr Team. Jugendrat-Mitglied Eva Gudermann berichtet aus der Arbeit des Gremiums und macht deutlich, dass Jugendstimmen zu allen Themen gehört werden sollten.
Wie sieht die Arbeit im MABB-Jugendrat konkret aus und welche Themen sind für euch gerade besonders wichtig?
Wir sind zehn Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren. Vier Mal im Jahr treffen wir uns in der mabb und diskutieren über ein aktuelles medienpolitisches Thema. In der Vergangenheit ging es zum Beispiel um Influencer-Marketing, Desinformation und politische Werbung im Netz. Wir wollen zusammen Impulse erarbeiten, was in Politik und Gesellschaft aus der Sicht von jungen Leuten anders laufen könnte.
Für uns sind eigentlich immer die Themen besonders wichtig, die auch in Politik und Gesellschaft gerade am wichtigsten sind. Aktuell wird natürlich das Thema Social-Media-Verbot sehr intensiv diskutiert.
Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg – werden eure Anliegen als jugendliche Interessensvertretung ernst genommen?
Ich finde die Zusammenarbeit mit der mabb sehr produktiv. Wir werden mit unseren Erfahrungen und Meinungen ernstgenommen. Wir gegenseitig, aber auch die mabb, fordern unsere Argumentation aber auch immer wieder heraus. Habt ihr diesen oder jenen Punkt schon bedacht? Könnt man das nicht auch anders sehen? Ich finde diese kritische Herangehensweise wichtig, um zu einer abgewogenen Position zu kommen. Und natürlich ist die Möglichkeit, unsere Arbeit bei Veranstaltungen und in einer eigenen Radiosendung vorzustellen, sehr cool.
Vor welchen Herausforderungen steht ihr bei eurer Arbeit?
Ich denke es gibt zwei Herausforderungen für den Jugendrat. Die erste ist ein bisschen wie David-gegen-Goliath: Seitens des Jugendrats fordern wir Maßnahmen von Akteuren, die viel mächtiger sind als wir und oft sind es obendrein Forderungen, die diese nicht immer umsetzen wollen. Wir schlagen zum Beispiel bei vielen Themen vor, dass Plattformen wie Instagram stärker in die Pflicht genommen werden. Sie sollen ihre Algorithmen so ausrichten, dass sie nicht, wie aktuell, potenziell gefährliche Beiträge priorisieren. Das ist aber schlecht für das Geschäft und so wohl kaum in deren Sinne.
Und die zweite Herausforderung hat damit zu tun, wozu man uns eine Expertise zutraut. Manchmal werden wir ausschließlich nach Medienkompetenz in Schulen gefragt – nach dem Motto: Die sind oder waren mal Schüler, da kennen die sich aus. Das stimmt, aber wir haben auch noch viele Vorschläge, die andere Sphären betreffen.
Aber insgesamt wiegen die Erfolge des Jugendrates für mich deutlich stärker als diese Herausforderungen. Wir konnten unsere Positionen an vielen prominenten Stellen einbringen, zum Beispiel in der Kinderkommission des Bundestages oder auf der re:publica. Wir dürfen, glaube ich, sagen, dass wir uns als Ansprechpartner etabliert haben.
Was würdest du jungen Menschen raten, die sich in den Gremien der Rundfunkräte oder in einem Jugendrat engagieren wollen?
Einfach bewerben! Wenn ihr zu etwas eine Meinung habt und die einbringen wollt, sucht euch ein Gremium, in dem das geht. Ich habe erlebt, dass man sehr freundlich aufgenommen wird und ganz tolle Erfahrungen machen kann.
Was würdest du generell an der Medienpolitik in Deutschland ändern, wenn du eine Sache sofort entscheiden könntest?
Ich würde Jugendbeteiligung stärken. Es soll keine Entscheidung mehr über Jugendliche getroffen werden, ohne dass diese in den Prozess einbezogen wurden.
Zur Person

Eva Gudermann ist Jugendrätin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.
Weiterführende Informationen auf der Webseite zum Jugendrat.
Quelle: jugendgerecht.de