Interview
Home > Eigenständige JugendpolitikStudienleiterin: "Reformen sind für alle Generationen wichtig"

(18.02.2026) Im Interview zur Generationenstudie „Konsens oder Konflikt – Wie verstehen sich Generationen?“ des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) erläutert Studienautorin Sylvia Kreyßel-Minar, welche Empfehlungen sich aus den Befragungsergebnissen für die Politik ergeben.

3 Personen halten sich an den Händen in der Natur (Foto: silviarita via pixabay.com) 3 Personen halten sich an den Händen in der Natur (Foto: silviarita via pixabay.com)
3 Personen halten sich an den Händen in der Natur (Foto: silviarita via pixabay.com)

Die Studie „Konsens oder Konflikt – Wie verstehen sich Generationen?“ des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) untersucht Wahrnehmungen von Generationengerechtigkeit, Renten- und Sozialpolitik, Wertewandel, politische Repräsentation sowie mediale Darstellung von Generationenbeziehungen. Grundlage ist eine Befragung mit 3.000 Personen. Im Interview erläutert Studienautorin Sylvia Kreyßel-Minar, welche Empfehlungen sich daraus für die Politik ergeben.


Sie sprechen in Ihrer Studie von einem echten Reformdruck beim Thema Generationengerechtigkeit. Welche politischen Schritte halten Sie für besonders dringend – insbesondere mit Blick auf Rente und Sozialstaat? 

Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Reformbedarf im Renten- und Sozialsystem von allen Generationen gesehen wird – allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven. Jüngere sorgen sich um ihre langfristige Absicherung und empfinden die finanzielle Belastung zunehmend als hoch. Ältere hingegen erleben die Reformdebatten häufig als verunsichernd. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die Politik das Thema strukturiert angeht. 

Die Generationenstudie 2025 wurde im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) durchgeführt und macht sichtbar, wie stark der Wunsch nach langfristiger Stabilität und Fairness in der Bevölkerung verankert ist. Entscheidend wird sein, Reformen nicht nur punktuell, sondern systemisch zu denken. Aus Sicht der Studie braucht es vor allem ein tragfähiges Finanzierungssystem, realistische Übergänge zwischen Erwerbsleben und Ruhestand sowie mehr Transparenz über die langfristigen Auswirkungen politischer Entscheidungen. Generationengerechtigkeit ist keine kurzfristige Balanceübung, sondern eine gemeinsame Zukunftsaufgabe. 
 
In Ihren Handlungsempfehlungen fordern Sie einen breiter gedachten Generationenvertrag. Wie müsste dieser konkret gestaltet sein, damit er finanzierbar bleibt und von jüngeren Generationen als fair empfunden wird? 

Viele junge Menschen verbinden Generationengerechtigkeit längst nicht mehr ausschließlich mit der Rente. In unserer Befragung wird deutlich, dass auch Bildung, soziale Sicherheit, Wohnkosten, Klimaschutz und politische Teilhabe eine zentrale Rolle spielen.

Ein moderner Generationenvertrag muss diese Lebensrealität berücksichtigen. Fairness entsteht dann, wenn Menschen sehen, dass ihre Beiträge nicht nur bestehende Systeme stabilisieren, sondern zugleich gezielt in Zukunftsfähigkeit investieren – etwa in Bildung, Infrastruktur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Zentral ist Transparenz. Politische Maßnahmen sollten offenlegen, welche Lasten sie heute erzeugen und welche Wirkungen sie langfristig entfalten. Wenn Generationengerechtigkeit nachvollziehbar wird, wächst auch die Bereitschaft, Verantwortung solidarisch zu tragen. 

Sie betonen die Bedeutung von Dialogformaten und mehr Sichtbarkeit für die „stillen Mehrheiten“. Wie kann die Politik generationenübergreifende Beteiligung wirksam gestalten? 

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass das Verhältnis zwischen den Generationen im Alltag deutlich kooperativer erlebt wird als es öffentliche Debatten oft vermuten lassen. Viele Menschen beschreiben gegenseitige Unterstützung und Verständnis, trotz medialer Zuspitzungen. Die Politik kann hier ansetzen, indem Beteiligung nicht nur symbolisch angeboten sondern verbindlich in Entscheidungsprozesse integriert wird.

Generationenübergreifende Dialogforen, kommunale Beteiligungsmodelle oder Bürgerräte zu Zukunftsthemen können Verständigung fördern – vorausgesetzt, ihre Ergebnisse haben sichtbare politische Konsequenzen. Wo Dialog ernst genommen wird, wächst Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist eine wesentliche Voraussetzung für generationengerechte Reformen. 
 
Der Generationenkonflikt ist laut Ihrer Studie eher eine mediale Erzählung als Alltagserfahrung. Welche Rolle sollte die Politik im Bereich Medien- und Jugendpolitik spielen? 

In unserer Erhebung sehen rund zwei Drittel der Befragten Medien als wichtigen Einflussfaktor auf die Wahrnehmung von Generationenbeziehungen. Zuspitzungen und stereotype Darstellungen können den Eindruck eines Gegeneinanders verstärken, obwohl das reale Miteinander differenzierter ist. 

Medien- und Jugendpolitik können hier unterstützend wirken, indem sie Formate fördern, die generationenübergreifende Perspektiven sichtbar machen und gemeinsame Herausforderungen betonen. Ebenso wichtig ist die Stärkung von Medienkompetenz, damit insbesondere junge Menschen besser einordnen können, wie Polarisierung entsteht. 

Wenn die Politik differenzierte Berichterstattung, Begegnungsräume und kritische Mediennutzung unterstützt, stärkt sie gesellschaftlichen Zusammenhalt. 
 
  
Zur Person 
Sylvia Kreyßel-Minar ist Kommunikationswissenschaftlerin und Studienleiterin. Sie verantwortete die Generationenstudie 2025. Mit ihrer Agentur IMPULS – Agentur für Text, PR und Medien arbeitet sie an der Schnittstelle von empirischer Forschung, strategischer Kommunikationskonzeption und öffentlicher Einordnung gesellschaftlicher Entwicklungen. Ihre Schwerpunkte liegen auf Generationenfragen, sozialem Wandel und wirkungsorientierter Kommunikation. 
 
Zur Studie 
Die Studie „Konsens oder Konflikt – Wie verstehen sich Generationen?“ wurde 2025 von Sylvia Kreyßel-Minar im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) erstellt. Grundlage ist eine bundesweite, repräsentative Befragung von 3.000 Personen ab 18 Jahren. Untersucht wurden Wahrnehmungen von Generationengerechtigkeit, Renten- und Sozialpolitik, Wertewandel, politischer Repräsentation sowie medialer Darstellung von Generationenbeziehungen. Zentrales Ergebnis: Der vielfach beschworene Generationenkonflikt erweist sich im Alltag als deutlich weniger ausgeprägt als in öffentlichen Debatten. Unterschiede bestehen vor allem in Zukunftserwartungen und politischen Prioritäten – zugleich zeigen sich stabile Konsenspotenziale und eine hohe Bereitschaft zur Verständigung zwischen den Generationen. 
 
Weitere Informationen
Studie "Konsens oder Konflikt – Wie verstehen sich Generationen?"( PDF) 
Deutsches Institut für Altersvorsorge (Homepage)
PM: DIA-Generationenstudie 2025: Jüngere halten Rentensystem für ungerecht - (DIA)

Quelle: jugendgerecht.de, Februar 2026