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Home > Eigenständige JugendpolitikEin Weckruf für die europäische Jugendpolitik

(11.02.2026) 28 Empfehlungen für eine resiliente Jugendarbeit: Mit dem Policy Paper „Young Voices for Youth Work“ legen junge Menschen aus neun europäischen Ländern einen Forderungskatalog für die Zukunft der europäischen Jugendarbeit vor.

Junge Menschen von Generation Europe – The Academy halten ihr Banner/ Bild: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk e.V. Junge Menschen von Generation Europe – The Academy halten ihr Banner/ Bild: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk e.V.
Junge Menschen von Generation Europe – The Academy halten ihr Banner/ Bild: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk e.V.

Wie steht es um die Räume, in denen junge Menschen Demokratie und Teilhabe lernen und leben? Vor dem Hintergrund, dass zivilgesellschaftliche Strukturen zunehmend unter Druck stehen, melden sich junge Menschen aus neun europäischen Ländern gemeinsam zu Wort: Im nun veröffentlichten Policy Paper „Young Voices for Youth Work“ legen sie einen Forderungskatalog für die Zukunft der europäischen Jugendarbeit vor.

Das Papier ist das Ergebnis eines monatelangen partizipativen Prozesses im Netzwerk von Generation Europe – The Academy. Die Prämisse der jungen Autor*innen aus Finnland, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und der Ukraine lautet: Die Zukunft der Jugendarbeit ist untrennbar mit der Zukunft unserer Demokratien verbunden. Sie wird jedoch durch prekäre Finanzierungsmodelle, fehlende rechtliche Anerkennung und hohe bürokratische Hürden gebremst und gefährdet.

Partizipativer Entstehungsprozess

Das Besondere an dem Policy Paper ist seine Graswurzelperspektive. Es entstand nicht am Schreibtisch der üblichen Vertreter*innen, sondern wurde verfasst von jungen Menschen, die selbst in lokalen Jugendgruppen und internationalen Partnerschaften aktiv sind. Sie haben recherchiert, Interviews geführt und Fragebögen ausgewertet. Der finalen Veröffentlichung ging ein intensiver Konsultationsprozess voraus: Bei einem Roundtable im European Policy Centre (EPC) in Brüssel diskutierten die aktiven Jugendlichen ihre Thesen mit Vertreter*innen der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments und großer europäischer Dachverbände. Das Feedback floss direkt in die nun vorliegende Endfassung ein.

28 Empfehlungen für eine resiliente Jugendarbeit

Insgesamt stellen die jungen Autor*innen 28 konkrete Handlungsempfehlungen vor, um die Jugendarbeit als Säule demokratischer Gesellschaften zu sichern. Ihre Politikempfehlungen beziehen sich auf folgende Handlungsfelder:

  • Zugang und Inklusion: Verbindliche Aktionspläne und ein EU-weites Monitoring sollen sicherstellen, dass internationale Begegnungen nicht nur privilegierten Gruppen offenstehen. Gefordert werden zudem eine bessere Unterstützung für Mehrsprachigkeit und eine stärkere Berücksichtigung von Mental Health in Förderprogrammen.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen & Anerkennung: Die europäischen Institutionen und die Mitgliedsstaaten sollen kohärente rechtliche Standards schaffen, um Schutz und Status der Jugendarbeit in allen EU-Ländern zu garantieren. Junge Menschen und Fachkräfte der Jugendarbeit müssen aktiv in die Politikgestaltung einbezogen werden, unter anderem durch verbindliche Dialogformate.
  • Professionalisierung: Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, braucht es klare Karrierewege, europaweit anerkannte Qualifikationen sowie faire Löhne und Arbeitsrechte für Fachkräfte der Jugendarbeit.
  • Nachhaltige Finanzierung: Die aktuelle europäische Förderlandschaft, die primär kurzfristige Projekte finanziert, zermürbt die Organisationen. Notwendig ist ein fundamentaler Wandel hin zu einem hybriden Finanzierungsmodell, das regelmäßige Zuschüsse für Betriebskosten (Operating Grants) als festen Bestandteil von Programmen wie Erasmus+ etabliert.

Stimmen aus der Praxis

„Jugendarbeit ist kein Hobby, sondern unverzichtbare demokratische Infrastruktur“, betont Jocelyne Jakob, Geschäftsführerin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB e.V.). Der in Dortmund ansässige Verein koordiniert Generation Europe – The Academy, das europäische Netzwerk, in dessen Rahmen die Autor*innen aktiv sind. „Dass diese jungen Menschen ihre Praxiserfahrungen in so fundierte politische Forderungen übersetzt haben, beweist eindrucksvoll, was Partizipation und demokratische Bildung bedeuten. Diesen jungen Stimmen muss in Brüssel und in den nationalen Parlamenten zugehört werden!“ Die Veröffentlichung erfolgt zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt, da aktuell die Weichen für die nächste Erasmus+ Programmgeneration und für den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen der EU gestellt werden.

Das vollständige Policy Paper „Young Voices for Youth Work“ steht ab sofort zum Download bereit.

Quelle: Meldung IBB e.V./ Generation Europe (21.01.2026)