Wissen
Home > Eigenständige JugendpolitikStudie: Social-Media mit klaren Regeln statt Verboten

(29.01.2926) Der AWO-Bundesverband stellt eine Befragung unter jugendlichen Internet-Nutzer*innen vor. Die Studie zeigt: Digital- und Jugendpolitik muss Schutz, Teilhabe und Verantwortung zusammen denken.

2 Jungen sitzen mit Smartphones in der Hand auf einem Bordstein 2 Jungen sitzen mit Smartphones in der Hand auf einem Bordstein
Foto: Pixabay via. pexels.com

Die qualitative Studie des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS), durchgeführt im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt, zeigt klar: Anstelle pauschaler Verbote braucht es eine stärkere Regulierung von Plattformen, einen Ausbau der Medienbildung sowie leicht zugängliche Unterstützungsangebote. Ein allgemeines Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greift zu kurz und trägt nicht wirksam zum Jugendschutz bei.

Interviews zeigen: Junge Menschen sind sich der Gefahren bewusst

Grundlage der Ergebnisse sind Gruppeninterviews mit 30 Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Lebenslagen, die in Einrichtungen in sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen geführt wurden. Dabei wird deutlich: Junge Menschen nehmen die Gefahren sozialer Medien sehr genau wahr, darunter problematische Algorithmen, Suchtpotenziale, sexualisierte Inhalte sowie Hass und Gewalt. Pauschale Verbote werden dieser reflektierten Nutzung nicht gerecht und verfehlen die Lebensrealität vieler Jugendlicher.

Jugendliche fordern Mitbestimmung

Statt Verboten sehen die Jugendlichen vor allem Bedarf an verbindlichen Regeln für digitale Plattformen. Die Arbeiterwohlfahrt spricht sich deshalb für deutlich mehr Medienbildung in Schule, Jugendhilfe und außerschulischen Angeboten aus sowie für niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, die auch Eltern und Fachkräfte einbeziehen. Zudem betont sie die Bedeutung der Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungsprozessen, die ihre digitale Lebenswelt unmittelbar betreffen.

„Ein Verbot verschiebt Verantwortung von Plattformbetreibern und Politik auf Jugendliche“, so AWO Bundesvorstand Marvin Deversi. „Notwendig sind verbindliche Regeln für Anbieter, wirksamer Jugend- und Datenschutz sowie eine Politik, die Prävention und Befähigung ernst nimmt. Medienkompetenz ist dabei keine Frage des Alters, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Studie ist deshalb auch eine Aufforderung zum Perspektivwechsel: weg von symbolischer Ordnungspolitik, hin zu einer kohärenten Digital- und Jugendpolitik, die Schutz, Teilhabe und Verantwortung zusammendenkt.“

Marius Hilkert, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ISS, fügt hinzu: „Betroffene wissen am besten, wo Probleme liegen und was es zu ihrer Lösung braucht – das gilt auch für Jugendliche. Auch deshalb sind Beteiligungsprozesse wie in unserer Studie zu einem potenziellen Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige so wichtig. Unsere Befragung macht die Lebensrealitäten junger Menschen sichtbar: Sie handeln als risikobewusste und wissbegierige Nutzer*innen und lehnen ein generelles Social-Media-Verbot größtenteils ab.“

 „Wenn man uns fragen würde…“: Explorative Studie zur Social-Media-Nutzung von jungen Menschen (2026)

AWO-Position zum Social-Media-Verbot bis 16 Jahre: Beschluss des zuständigen Fachausschusses Familien-, Kinder- und Jugend- sowie Frauenpolitik (2025)

Quelle: Pressemeldung Arbeiterwohlfahrt (26.01.2026)